Gesundheit von Kindergartenkinder

„Draußen in allen Wetterlagen“

Studie aus Schweden

Kindergartenkinden angezogen um in Wald zu spielenKindergartenkinder, die den Tag „draußen“ in der Natur verbringen, sind signifikant gesünder, haben eine bessere Motorik und Konzentration und sind phantasiereicher
Zusammenfassung der bisher einzigen wissenschaftlichen Studie, die Kinder in einen „normalen“ Stadtkindergarten mit einem Naturkindergarten vergleicht („Ute på dagis“, P. Gahn u.a., 1997 *))
Verfasst von einem schwedischen Wissenschaftlerteam (Dr. Patrik Grahn, Biologe und Landschaftsarchitekt, Frederika Martensson, Umweltpsychologin, Paula Nilsson, Kinderphysiotherapistin, Anna Ekman, Landschaftsarchitekt und Bodil Lindblad, Psychologe) in Zusammenarbeit mit Stephen Kaplan, Professor für Psychologie an der Universität von Michigan (USA).

„… Ein ganzes Jahr lang wollten wir das gesamte Verhalten der Kinder untersuchen: Wie sie spielen, wo sie spielen, wie oft sie draußen sind, ihre Gewohnheiten etc.
Wir wollten außerdem ihre motorischen Funktionen und ihre Konzentrationsfähigkeit testen. Wir notierten, wenn sie wegen Krankheit fehlten und sammelten die Tagebucheintragungen der Erzieherinnen. Wir folgten den Kindern in ihre Spielgebiete so diskret wie möglich. Die motorische Funktion der Kinder wurde alle drei Monate getestet, die Konzentrationsfähigkeit vier Monate lang täglich. Die Krankheitstage wurden ein Jahr lang erhoben.

Die Kinder des „Draußen in allen Wetterlagen“-Kindergartens schnitten besser ab
Was war das Ergebnis?
Beginnen wir mit den Krankheitstagen: Im „normalen“ Kindergarten betrug der Krankenstand 8,0%, was für Kindertagesstätten normal ist. Im „Draußen in allen Wetterlagen“-Kindergarten betrug er 2,8%. Der Unterschied ist so groß und so konstant über das ganze Jahr, dass er als statistisch bewiesen angesehen werden kann.
Die Konzentrationsfähigkeit wurde mit ADDES gemessen, einem in den USA entwickeltem Test, der von Stephen Kaplan empfohlen wird, Psychologieprofessor an der Universität von Michigan, mit dem wir zusammenarbeiteten. Der Test ist einfach anzuwenden, wir brachten ihn den Erzieherinnen bei, so dass die Kinder jeden Tag des Jahre ohne Unterbrechung beobachtet werden konnten. Die Ergebnisse werden in Fehlern pro Woche und Kind ausgedrückt. Je höher der Wert, desto unkonzentrierter das Kind. Der ADDES-Test hat 27 Variablen, die mit sechs Typen von Konzentrationsfähigkeit assoziiert sind. Das Ergebnis zeigt große und statistisch verifizierte Differenzen zum Vorteil der Kinder des „Draußen in allen Wetterlagen“-Kindergartens.

Motorische Funktionen „draußen“ viel besser
Der motorische Test bestand aus zehn Elementen, überwiegend in Übereinstimmung mit EUROFIT, einem Test, der vom Europarat 1993 empfohlen wurde. Die Kinder des „Draußen in allen Wetterlagen“-Kindergartens schnitten in allen zehn Elementen besser ab als die „normalen“ Kindergartenkinder. Dies bezog sich sowohl auf Balance, Agilität und die Stärke von Händen, Armen und Bauch.
Das Klettern und das Spielen auf unebenen Grund – im Gegensatz zum Spielen nur auf ebenem Grund und ohne Bäume – scheint demnach einen nachdrücklichen Einfluss auf Kinder zu haben.

Wilde Natur macht das Kinderspiel einfallsreicher
Während unserer Studie beobachteten wir, dass die Kinderspiele im „Draußen in allen Wetterlagen“-Kindergarten abwechslungsreicher waren. Manchmal, wenn die Kinder durch das Unterholz, über Stämme und Stümpfe rannten und auf die Bäume kletterten, waren sie gewagt, mit viel Krach, Schreien und Rowdytum. Ein andermal war das Spiel wieder still, fast lautlos. In beiden Fällen gab es komplexe Prozeduren und Rollen, bei dem der Spielgrund mal ein Schlachtfeld, mal ein Weltraum-Abenteuer, mal eine mythische Landschaft mit Feen und Königinnen war, ein anderes Mal ein Einkaufszentrum.
Wichtig war, dass die Spiele „draußen“ einen Anfang und ein Ende hatten, über den die Kinder selbst entschieden. Wichtig war dabei auch, dass die Dinge, mit denen die Kinder spielten, draußen bleiben konnten, so dass das Spiel länger als einen Tag dauern konnte. Der „draußen“-Spielplatz bot den Kindern Möglichkeit für wildes und ruhiges Spielen. Untereinander störten sich die Kinder dabei sehr wenig, so dass auch jene, die sich selbst beschäftigen wollten, dies tun konnten.

Kinder in der „normalen“ radeln im Kreis
In der „normalen“ Kita war die vorherrschende Aktivität das Dreiradradeln. Spielen kam selten in ein Stadium, in dem Rollen und Aktionen hätten Platz finden können. Oft wurde das Spielen der Kinder unterbrochen, entweder durch andere Kinder oder durch Erzieherinnen. Aufräumen war wichtig – nichts konnte draußen liegen bleiben.
Kinder, die für sich spielen wollten, gingen in die äußeren Bezirke des Spielgeländes, doch auch dort wurden sie schnell von Dreiradfahrern aufgescheucht. Hier war es häufiger, dass die Erzieherinnen einschritten, wenn es Konflikte gab. Die Tagebucheinträge der Mitarbeiter zeigten, dass diese sich dabei oft überfordert fühlten. …“

*) Vollständiger Titel der Studie:
Grahn, P., Mårtensson, F., Lindblad, B., Nilsson, P. & Ekman, A.: Ute på dagis. Hur använder barn daghemsgården? Utformningen av daghems-gården och dess betydelse för lek, motorik och koncentrationsförmåga. 1997, Stad & Land nr 145. Alnarp/Schweden.

Übersetzt aus dem Englischen von Prof. Dr. Wolfgang Stock.